Mitmachweb – Level 2
Donnerstag, 31. Juli 2008 | Autor: F. Fries
Das Web 2.0 kann man auch ein wenig anders auffassen als es vielleicht per Definition oder landläufiger Meinung den meisten bekannt sein dürfte. Vielleicht sollte an dieser Stelle zunächst einmal eine kleine Definition vorausgeschickt werden, was denn Web 2.0 (in-) offiziell ist. Anstatt um Technik und Technologie geht es bei Web 2.0 ums Mitmachen. Leser sollen zu Autoren werden, Konsumenten zu Gestaltern. Daher auch der Begriff Mitmach-Web, der das Konzept von Web 2.0 plakativer macht. Bezogen auf die Mediennutzung wird die Einbahnstraßen-Kommunikation, so wie von TV und Verlagen seit jeher praktiziert mit Web 2.0 zu einem Hin und Her zwischen Produzenten und Verbrauchern. Jeder bislang passiv Konsumierende ist in diesem Setting in der Lage, zu jedem Zeitpunkt auf die Seite der Aktiven überzuwechseln. Man wählt seine Rolle (immer wieder) selbst und ist entweder beobachtendes Mäuschen oder gestaltet Inhalte aktiv mit.
Nun ist es aber nicht so, dass den ‚Großen‘ diese Entwicklung verborgen geblieben wäre. Vielmehr gibt es bei größeren Unternehmen trotz der Wahrnehmung der Veränderungen ganz unterschiedliche Reaktionen auf das Web 2.0 – während es viele nach wie vor präferieren, das Mitmachweb weitestgehend zu ignorieren (oft mit der Begründung, die Risiken seien zu groß, die Chancen zu klein) machen sich andere gezielt die Dynamik der neuen Auffassung des Webs zunutze. So lassen sich mit geschickten Anreizen viele bereits aktive Internetnutzer zu noch mehr Aktivität ‚überreden‘. Eine solche Aktivität erfolgt dann möglichst im Sinn des Unternehmens. Das geht entweder direkt über materielle Anreize oder indirekt über klassische Mund-zu-Mund-Propaganda, die allerdings durch Web 2.0 einen sehr mächtigen Verstärkereffekt erfährt. Beide Möglichkeiten sind nicht gerade trivial in der Umsetzung, da es beispielsweise als absolute Grundvoraussetzung wirklich überzeugender Produkte bedarf. Die Webgemeinde ist nämlich sehr gut darin, Unzulänglichkeiten aufzudecken und in so einem Fall behalten dann solche Unternehmen recht, die sich bewusst risikoscheu nicht mit Web 2.0 befassen. Wenn aber die Qualität stimmt, dann bietet Web 2.0 auch Unternehmen klasse Möglichkeiten, vom Mitmachen zu profitieren. Als Einschränkung sollte nicht unerwähnt bleiben, dass nicht alle Unternehmen und nicht alle Produkte gleichermaßen für das Web 2.0 geeignet sind. Je aktiver die angenommene Zielgruppe ist und je allgemeiner der Nutzen der Produkte, desto größer auch die Wirkung, die mit solchen Maßnahmen erreicht werden kann. Ein Porzellanpuppen-Hersteller wird kaum die gleiche Resonanz auf seine Web 2.0-Aktivitäten erhalten wie ein Mobilfunkunternehmen, das schicke Handys für eine junge, aktive und internet-affine Zielgruppe anbietet. Überhaupt sind Mobilfunker ziemlich häufig online anzutreffen, gerade weil eine starke Marke in Kombination mit ‚jungen‘ Angeboten besonders Web 2.0-geeignet ist. Nimmt man die Web-2.0-Strategien der Mobilfunkunternehmen genauer unter die Lupe, so fällt insbesondere T-Mobile positiv auf. So kann z.B. das neu eingeführte Empfehlungs-Programm von T-Mobile als gelungene Mischung aus altbewährten Marketing-Ansätzen (Empfehler sind die besten Verkäufer) und neuen Web-2.0-Methoden (aktive Beteiligung des Kunden auf der Basis von Empfehlungs-Emails) betrachtet werden: alle Produkte im Online-Shop sind mit Empfehlungs-Links versehen, die Prämien sind mit einer Höhe von bis zu 100,- Euro ein echter Anreiz, aktiv zu werden. Damit dürfte es niemandem allzu schwer fallen, diese Produkte weiterzuempfehlen, gerade wenn man selbst bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Diese Aktivitäten werden außerdem von Maßnahmen flankiert, die indirekt und, wie das Streetgigs-Programm zum Teil auch offline wirken sollen.
Insgesamt scheint es sich beim Mitmachweb bei der richtigen Herangehensweise für alle die sich ‚trauen‘, um eine so genannte ‚Win-Win-Situation‘ zu handeln. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass alles ein wenig transparenter und kontrollierbarer wird als zu der Zeit, als große Medienmacher quasi im Alleingang Meinungen bilden und Urteile fällen konnten.
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Thema: Netzwelt | 2 Kommentare











